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AYSE ERKMEN
Country: Germany
Profession: Artist
Kunst ist vergänglich: Den luftigen Installationen der türkischen Künstlerin ist meist nur ein kurzes
Leben beschert.
Wenn sie etwas will, läßt sie nicht locker. "Stur ist sie, was ihre Arbeiten anbelangt", sagt ein Kurator,
"entschieden und klar" nennt es ein anderer. Sogar der Dompropst von Münster hat seine Erfahrungen mit
Ayse Erkmen gemacht.
Als die türkische Künstlerin vor zwei Jahren zu den "Skulptur"-Projekten in Münster eingeladen war, einer
internationalen Kunstschau unter freiem Himmel, hatte sie sich ausgerechnet die Fassade seines Doms für
ihre Installation ausgeguckt. Erkmen reichte einen Entwurf ein, und nach dessen Ablehnung machte sie so
lange immer neue Vorschläge, bis sich der Propst entnervt jeden weiteren verbat.
Erkmen mußte einen anderen Weg finden, den Domplatz in ihre Installation mit einzubeziehen, und erinnerte
sich an eine Szene in Federico Fellinis "La Dolce Vita", in der ein Hubschrauber eine Christusskulptur
durch die Luft transportiert. Also ließ sie während der Ausstellung in Münster einen Helikopter mit
Steinskulpturen um den Dom kreisen, um sie nach ein paar Runden auf dem Museumsdach nebenan abzustellen.
Schließlich gehört der Luftraum über dem Dom nicht dem Propst. "Ich wollte nicht provozieren. Ich wollte
nur nicht klein beigeben", sagt Erkmen.
Der Flug über Münster hat die türkische Künstlerin damals auf einen Schlag in Deutschland bekannt
gemacht. Seitdem häufen sich die Einladungen für Ausstellungen und auch die Arbeit. Denn Erkmens
Installationen leben meist nur eine Ausstellung lang. "Ich suche danach, was der Ort und die Situation
von mir verlangen."
Angefangen hat Erkmen allerdings ganz klassisch: In Istanbul studierte sie fünf Jahre lang Bildhauerei,
und weil ihr die Skulpturen nie gefielen, schmiß sie ihre Arbeiten nach der Benotung ins Meer. Nach dem
Studium organisierte sie mit anderen jungen Künstlern Ausstellungen und wurde schließlich zur Istanbuler
Biennale 1987 und vier Jahre später zu einem DAAD-Jahresstipendium nach Berlin eingeladen.
Dort hat sie bis heute eine kleine Wohnung für ihre Deutschlandbesuche, und dort gibt es auch zwei der
wenigen Dauerkunstwerke von Erkmen: An der Mauer eines Kraftwerks ließ sie Bänke aufstellen, die im
Winter geheizt werden, und in Kreuzberg bemalte sie die Fassade eines Hauses mit türkischen Wortsilben.
Eine Einladung zum lukrativen Wettbewerb für Kunst in den Regierungsgebäuden hat Erkmen abgelehnt. "Ich
hatte kein gutes Gefühl dabei ich bin weder Kirchen- noch Staatskünstler."
Sema Karaoglu |
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